Ein Garten, der ans Herz wächst

Freiraumplanung Brauquartier Graz

Wie sieht nachhaltiges Wohnen in der Innenstadt von morgen aus? Die Freiraumplanung des Brauquartiers Puntigam in Graz liefert einige eindrucksvolle Antworten.

Innovative Konzepte sind gefragt

Wohnraum ist knapp, vor allem in den Innenstädten. Sobald freies Bauland vorhanden ist, ist es aber keine Lösung, einfach drauflos zu bauen. Aufgrund der immer höheren Bebauungsdichte nimmt der Anteil versiegelter Flächen stetig zu und das Grün wird immer weniger. Das hat Auswirkungen auf das Mikroklima der Städte, ihren Wasserkreislauf und nicht zuletzt die Lebensqualität. Innovative Konzepte sind gefragt. Eines davon wurde von 2014 bis 2019 in Graz verwirklicht und hat sich zum Vorzeigeprojekt für nachhaltiges Bauen in der Innenstadt entwickelt: Das Brauquartier Puntigam, direkt neben Österreichs bekannter Brauerei gelegen, beherbergt nicht nur Wohnungen für ca. 2.000 Menschen. Es ist auch ein Ort der Begegnung mit viel Aufenthaltsqualität, der mit seinem ökologischen Anspruch in die Zukunft weist.

 

Zwischen Stadtverkehr und Flussbett

Die Lage des länglichen Grundstücks ist durchaus anspruchsvoll: auf der einen Seite liegt die viel befahrene Triester Straße, auf der anderen die Murabbruchkante. Hier geht es sieben bis acht Meter in die Tiefe zum ehemaligen Flussbett der Mur. Entlang der Böschung stehen Jahrhunderte alte Eichen. Die Stadt Graz wünschte sich in der Ausschreibung ein Konzept, das sich organisch in diese Umgebung einfügt, den alten Baumbestand erhält und eine üppige Bepflanzung bietet.

 

Die fliegenden Gärten

Garten- und Landschaftsarchitektin Gertraud Monsberger war von Anfang an in das Projekt eingebunden und entwickelte gemeinsam mit dem Architekturbüro Scherr und Fürnschuss Architekten ein Bebauungskonzept mit Dachgärten und Freiflächen, das die 42.000 Quadratmeter im Sinne der Vorgaben neu interpretiert. Gertraud Monsberger:

Herzstück des Wohnquartiers ist der so genannte Flying Garden, ein mehr oder weniger zusammenhängender Dachgarten von 5.200 Quadratmetern Größe. Dieser erstreckt sich oberhalb des zweiten Obergeschosses durchs gesamte Areal und öffnet den Blick in Richtung Schlossberg, das Zentrum von Graz.

Der Garten ist jedoch keine große zusammenhängende Fläche. Inspiriert vom Höhenunterschied an der Grundstücksgrenze wechselt das Niveau der einzelnen Gebäude, Gartenbereiche und Innenhöfe. So entstehen auf verschiedenen Ebenen Freiräume mit vielen Rückzugsorten, Wegen und Knotenpunkten.

 

Eine Oase in der Innenstadt

Hier trifft man sich gern, sei es unter einer Pergola oder in einem Gartenhof, wo eine reichhaltige Bepflanzung zuverlässig für Privatsphäre sorgt. Neben der Triester Straße wirkt die Anlage wie eine Oase. Von welchem Winkel oder Balkon man auch schaut, es gibt immer wieder einen Blick auf grüne Freiräume. Wenn nicht auf den Flying Garden, dann auf die vielen anderen Pflanzelemente des Grundstücks. Auch das Beleuchtungskonzept mit Boden- und Wandeinbauleuchten trägt überall zur angenehmen Atmosphäre bei. Außerdem gibt es installierte Outdoor-Fitness- und Spielgeräte sowie einen Sandspielbereich, die den Freizeitwert für Kinder und Erwachsene weiter erhöhen.

 

Fast schon ein Gartenparadies

Auch die Auswahl der Pflanzenarten trägt viel zur Aufenthaltsqualität bei. Es gibt Obstbäume, Naschsträucher und Kräuter, die für alle da sind. Felsenbirnen, die hervorragend schmecken und traumhafte Blüten tragen. Salbeiarten, Fackellilien, winterharte Yuccas und vieles mehr. Sogar Urban Gardening, die Bewirtschaftung von Beeten mit dem Ziel einer soliden Versorgung des Wohnquartiers, war in Form von Hochbeeten vorgesehen, aber die Nachfrage schien vorerst zu gering. Dennoch gibt es genug Platz, um diese später bei Bedarf nachzurüsten.

 

Lebendig gestaltete Anlagen

Ein durchgängiges Gestaltungselement ist die Geländemodellierung: Die Substrathöhe ist innerhalb einer Grünfläche nicht immer gleich, sondern wechselt zwischen 30 und 120 Zentimetern. An den höchsten Stellen sind Bäume gepflanzt, da sie mehr Erdreich benötigen als kleinere Arten. Das verleiht den Anlagen zusätzlich ein lebendiges Erscheinungsbild. Die äußere Begrenzung der Grünflächen folgt diesen Höhenunterschieden mit steigenden und abfallenden Sichtbetonstützmauern.

 

Gut für Klima und Wasserkreislauf

Zusätzlich zur intensiven Begrünung des Flying Garden wurde auf den 6.500 Quadratmetern Dachfläche eine extensive Begrünung mit Rasen angelegt. Diese ist nicht zugänglich und liegt in „unsichtbarer Höhe“, nimmt aber entscheidenden, positiven Einfluss auf das Mikroklima im Brauquartier. Gertraud Monsberger:

Die extensiv begrünten Dächer weisen bei direkter Sonneneinstrahlung eine deutlich niedrigere Oberflächentemperatur auf als Oberflächen aus Metall, Kies oder anderen Materialien. Die Wärmeabstrahlung und Erwärmung der Umgebung ist damit geringer. Außerdem fließt das Regenwasser langsamer ab. Dadurch werden Entwässerungskanäle entlastet.

Gerade bei einem großen Anteil versiegelter Flächen sei der letzte Punkt wichtig. Darüber hinaus unterstütze eine extensive Begrünung die Biodiversität.

 

Wichtigste Maßnahme für einen langsameren Rückfluss des Niederschlagswassers sind die Drän- und Speicherelemente, die sowohl im Flying Garden als auch auf den Dachflächen verbaut wurden und einen Teil des Regenwassers speichern. Darüber liegende Substratschichten fördern durch ihre abgestimmte Zusammensetzung das Wachstum der einzelnen Pflanzenarten. Auf dem gesamten Areal zeichnet BG-Graspointner für die Entwässerung verantwortlich. Im Garten und auf den Balkonen sind BG-FLEX FA Fassadenrinnen verbaut. Auf den Parkplätzen und Zufahrten kamen BG-FILCOTEN® pro Entwässerungsrinnen zum Einsatz.

 

Professionelle Pflege unverzichtbar

Die gärtnerische Gestaltung im Brauquartier Puntigam zu erhalten sieht nach einer Menge Arbeit aus und bedarf professioneller Pflege. Deshalb ist der ausführende GaLaBau-Betrieb auch in Zukunft mit der Pflege beauftragt.

Es war mir ganz besonders wichtig, dass der üppig grüne und ästhetisch anspruchsvolle Eindruck sowie die hohe Aufenthaltsqualität des Wohnquartiers auch langfristig bestehen bleiben...

,so die Garten- und Landschaftsarchitektin. In der zunehmenden Begrünung von Fassaden und Dächern sieht sie einen Trend, der sich weiter fortsetzen wird:

Das Brauquartier Puntigam soll nun auch als Vorzeigeprojekt in den Wiener Leitfaden aufgenommen werden, der als Richtlinie für Gebäudebegrünung gilt.

Wir könnten davon ausgehen, dass in Zukunft ähnliche Konzepte auch anderswo umgesetzt würden. Wenn das die neue Bauweise für Wohnquartiere in Innenstädten ist, dann freuen wir uns darauf.

 

Die Freiraumplanung für das Brauquartier Puntigam stammt von der Monsberger Gartenarchitektur GmbH.


Tel: +43 (0)6233 8900-0
E-Mail: office@bg-graspointner.com
Web: www.bg-graspointner.com

 

Projekt-Steckbrief

Projektname

Brauquartier

 

Ort

Graz, Österreich

 

Verbaute Rinnentypen

BG-FLEX FA Fassadenrinne E RB 250

BG-FLEX FA Fassadenrinne V RB 130 & 250

BG-FLEX FA V RB 250 Eckelement 90°

BG-FILCOTEN® pro G NW 100 Nr. 0, L=500 mm

BG-FILCOTEN® pro G NW 100 Nr. 0, 5-0, 10-0 & 20-0
BG-FILCOTEN® pro G NW 100 Nr. 1-10 Gefällerinnen

BG-FILCOTEN® pro G NW 150 mit Gusszarge Nr. 0, 5-0, 10-0 & 20-0
BG-FILCOTEN® pro G NW 150 Nr. 2-10 Gefällerinnen
BG-FILCOTEN® pro G Sinkkasten NW 100 & 150
BG-FILCOTEN® pro V NW 150

 

Gesamtlaufmeter

1820 m

 

Services BG-Support

Projektsupport und rasche Lösungen und Anpassungen entsprechend Kundenwunsch

 

Kunde/Bauherr 

C&P Immobilien AG 

 

BG-Projektteam:

Mario Jauk, Markus Unterberger 

 

Architekt/Planer

scherr + fürnschuss; Büro für Garten- & Landschaftsarchitektur Monsberger (Dachterrassen)

 

Bauunternehmen

Porr Graz; Pichler Bau GmbH; Firma Kainersdorfer; Baumgartner

Karl-Heinz Gramlich 
Director Product 
Management